Interview: Lush
Ort: Primavera Festival, Barcelona
Datum: 03.06.2016
Anwesend: Emma Anderson (Gitarre, Gesang), Phil King (Bass) und Christoph vom Konzerttagebuch


 
"Du wirst kein Wort rausbringen," sagte mir eine Freundin, als ich von meinem Interview mit Lush erzählte und auch ich hielt das nicht für unwahrscheinlich. Lush sind meine Beatles, die liebste meiner Lieblingsbands, deren Musik mich seit den ersten Veröffentlichungen begleitet. Auch in den 20 Jahren seit ihrer Auflösung, die knapp zwei Jahre nach dem Selbstmord ihres Schlagzeugers Chris Acland passierte, hörte ich ganz regelmäßig Lush. 

Wegen der dramatischen Umstände des Bandendes schien eine Reunion grundsätzlich ausgeschlossen. "Das wird wegen Chris nie passieren," war herrschende Indie-Meinung. In den vergangenen Jahren konnte man (so man es wollte) aber viel zwischen Interview- und Facebook-Zeilen lesen und sich eine Rückkehr der Shoegaze-Sterne vorstellen. Mein Puls war dauerhaft auf eine höhere Stufe gesprungen, als Emma Anderson vor zwei, zweieinhalb Jahren bei Facebook gefragt hatte, ob jemand ihr eine wirklich innovative Bandwebsite nennen können. "Asking for a friend."

Seit Spätherbst gibt es Lush offiziell wieder. Im April spielte die Band ihr erstes Konzert nach 20 Jahren im Londoner Club Oslo, es folgte eine Tour durch Nordamerika, die beiden größten Headlineshows der Karriere im Londoner Roundhouse (Berichte hier und hier) und die späte Bestätigung fürs Primaverafestival. Kurz vor dem Auftritt auf der Geheimbühne traf ich Emma und Phil zu einem Interview. Das gestaltete sich erst schwerer als gedacht, weil überall Bands spielten und alles viel zu laut war. Wir gingen dann hinter die Geheimbühne, auf der gerade Los Hermanos Cubero spielte, eine sehr traditionell klingende spanische Band.


Emma Anderson: die sind nicht so laut, das sollte gehen.
Phil King: von wo in Deutschland kommst du?

Aus der Nähe von Köln.

Phil: Gibt es das Luxor noch in Köln?

Ja. Da habt ihr zweimal gespielt, glaube ich? Einmal mit den Pale Saints als Support.


Emma: Auf jeden Fall mehr als einmal. 

Ich habe euch damals verpasst, weil ich in einer kleinen Stadt studiert habe, von der aus Köln oder Frankfurt schwer zu erreichen waren. 

Phil: wie hieß der Club in Frankfurt noch mal? Der an den Gleisen?
Emma: Batschkäpp.


Dafür habe ich das jetzt nachgeholt und euch bei der Warmup-Show im Oslo und den beiden Konzerten im Roundhouse gesehen. 

Emma: Oh, danke!

Wie war das für euch, nach zwanzig Jahren wieder als Lush auf der Bühne zu stehen? 

Emma: Merkwürdig aber gut. Ziemlich merkwürdig.
Phil: Großartig war es!
Emma: Es war gut, daß wir das Warmup-Konzert in London gemacht haben. Ursprünglich sollte es vor den ersten Konzerten der Tour in Amerika stattfinden, wir wollten unseren Comeback-Auftritt aber unbedingt in London haben. 
Phil: Die Resonanz war sehr gut, das Publikum phantastisch!
 
hier geht's weiter! 




Konzert: I'm From Barcelona
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 25.01.2016
Dauer: knapp 100 min
Zuschauer: 300 vielleicht



Seit einiger Zeit leide ich an einer Folkunverträglichkeit. So wie das Fernsehen Sportarten wie Tennis, Skispringen und Biathlon kaputtgesendet hat, Sportarten, die mal beliebt waren und täglich liefen, dann aber wegen völliger Übersättigung komplett aus den Programmen verschwanden*, haben Konzert- und Festivalveranstalter mir alles Folkige auf längere Dauer madig gemacht. Ich kann keine weinenden Geigen mehr hören. Banjo? Gibt's ja auch als Schokoriegel nicht mehr. Außerdem kann ein Banjo nichts, was nicht drei Gitarren auch könnten.

Die Konsequenzen meiner Folkallergie merke ich am Ende des Jahres in meiner Konzert-Statistik: der Anteil an Bands aus Schweden ist kaum noch messbar. Gruppen wie Friska Viljor traue ich mir im Moment einfach nicht mehr zu. 


Daß eine wirkliche Popband aus Schweden nach Köln kam, war ein echter Glücksgriff für meine Sverige-Sehnsucht. Und daß die das erwartet tolle Konzert spielte, umso mehr!

I'm from Barcelona hatte ich noch nie gesehen. Allerdings hatte ich mitbekommen, daß die Konzerte der Riesenband ein großer Spaß seien. Hashtag Kindergeburtstag. Obwohl 13 Musiker auf die Bühne kamen**, war das eine abgespeckte Version der Band. Früher waren mehr als 20 keine Seltenheit. Vielleicht haben sie diesmal einfach nicht genügend Jeansjacken auftreiben können, jeder der 13 trug nämlich eine mit einem Bandwappen auf dem Rücken. I'm from Barcelona MC.


Das Konzert begann sehr schön, aber noch nicht weiter ungewöhnlich. Die Band spielte ein paar Lieder vor allem vom aktuellen Album Growing up is for trees (weltbester Titel natürlich!), vom Vorgänger (u.a. das wundervolle Battleships) und ein altes vom zweiten Album. Nach Violins stoppte Emanuel Lundgren kurz. Das Debütalbum Let me introduce my friends sei vor zehn Jahren erschienen. Damals habe er nicht gedacht, daß die Band länger als ein paar Wochen zusammenbleibe, also wolle er das Album jetzt komplett spielen.


Mit diesen Album-Sachen ist es ja nicht anders als mit Folk oder Biathlon. Auch das machen mittlerweile so viele, daß es nicht mehr originell ist. Da allerdings bin ich noch voll dabei. Platten, die ich mag, komplett vorgespielt zu bekommen, ist doch wundervoll! So hört man dann auch endlich mal die Stücke, die die Band nicht so mag oder wenigstens nicht gerne spielt. Klasse! Auch die übliche Choreo "Hit am Ende" klappt nicht, wenn der Hit auf der Platte früh kommt. Bei Let me introduce my friends kommen gleich zwei früh nacheinander, We're from Barcelona und Treehouse


Und spätestens bei diesen beiden Stücken standen wir mittendrin im Kindergeburtstag. Das Konfetti flog, zu Treehouse machte die wilde 13 den Text mit den Händen nach, der Sänger crowdsufte. Vermutlich sind das alles Elemente, die auch in Großraumdiskos im Hunsrück am Wochenende funktionieren, bei I'm from Barcelona war es aber unpeinlich - und die Musik war gut!


Zu Chicken pox bat Emanuel Björn aus dem Publikum hoch, der ein Kazoo-Solo spielte.


Den Let me... Block beendete The saddest lullaby, gesungen von einem der Matthiase (es gab sicher mehrere). Das traurigste Schlaflied mit der versoffensten Stimme! Holla! Wenn man bedenkt, was Alkohol in Schweden kostet, hat Matthias viel in seinen Gesang investiert!


Daß nach The painter das Konzert langsam vorbei sein würde, ahnte man daran, daß Emanuel sich Mantel und Schal anzog. Mantel und Schal von irgendwem, der sie auf den Bühnenrang gelegt hatte. 



Drei Zugaben später war wirklich Schluß.  Oh, wow! Was für ein großer Spaß! Wenn nicht so viele Übernachtungen gebucht werden müssten, wäre jedes Festival doof, das I'm from Barcelona nicht bucht!

Setlist I'm From Barcelona, Gebäude 9, Köln:

01: Always spring
02: Helium heart
03: Battleships
04: Headphones
05: Sirens
06: Violins

Let me introduce my friends:
07: Oversleeping

08: Collection of stamps
09: We're from Barcelona
10: Treehouse
11: Jenny
12: Ola Kala
13: Chicken pox
14: Rec & play
15: Barcelona loves you***
16: This boy***

17: The saddest lullaby

18: The painter

19: Growing up is for trees (Z)
20: Mingus (Z)
21: Lucy (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- I'm From Barcelona, Paris, 26.03.07


* für Biathlon gilt eine Sperrfrist: 28.03.17 
** meine Mitschrift sagt (v.l.n.r.): Trompete, Klarinette, Keyboard, Keyboard, akustische Gitarre, Gitarre, Schlagzeug, Gitarre, Chor, Bass, Chor, Chor, Keyboard
*** vertauscht



Konzert: Locas in Love Wintergala
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 06.12.2015
Dauer: Locas in Love gut 95 min, Rockaway Shanty Chor knapp 15 min
Zuschauer: vielleicht 300


 
Das Ende der Kindheit ist genau dann gekommen, wenn der Dezember nicht mehr der beste sondern der schrecklichste Monat des Jahres wird. Aus Vorfreude wird Hass auf jedes gedudelte Last Christmas (oder seinen Waterboarding-Remix Feliz Navidad), an die Stelle der großen Augen vor dem Kaufhof-Schaufenster treten blaue Flecken, ausgeteilt von den Ellbogen betrunkener Idioten mit Nikolaus-Mütze, die sich seit 11 Uhr im strömenden Regen auf einem der 48 Innenstadt-Weihnachtsmärkte Glühwein (oder Glykol) zu süßen Helene-Fischer-Klängen hinter die Binde gekippt haben und ihre Fröhlichkeit sehr körperlich verteilen. Daß das Beste am Advent bereits Ende August verkauft wird und im Dezember schon nichts mehr taugt (Dominosteine), ist da nur konsequent.


Inmitten all der billigen animierten LED-Weihnachtsbeleuchtung aus dem Baumarkt brennt auch Jahr für Jahr eine Kerze des guten Geschmacks*, die Locas in Love Wintergala - so etwas wie der Gegenentwurf zu Carmen Nebels großer Adventssause. 


2008 war mein erstes Vorweihnachtskonzert der Kölner Band im Alten Pfandhaus. Es folgten Galas im Stadtgarten, im Filmhaus oder in St. Michael am Brüsseler Platz. Mit Plätzchen, Liedern von ihrem Winteralbum (...Winter) und vielen liebevollen Extras. Mal lief im Hintergrund der Schnee-Western Leichen pflastern seinen Weg, mal Der Bär, mal liefen Locas Videos als Vorprogramm, mal sang der Rockaway Shanty Chor. Und jedes mal war die Wintergala ein großer Spaß (da ist ein Licht, da ist ein Licht). 


2014 war ein schwieriges Jahr für die Band, hatte Sänger Björn Sonnenberg bei der Gala vor zwölf Monaten erklärt. Die Aufnahme des fünften Studioalbums** erwies sich als große Prüfung. Im August 13 hatten Locas in Love die neue Platte an zwei Abenden im King Georg vorgestellt. Mich begeisterten die Stücke, die die Band am Tag nach dem zweiten dieser Konzerte in Frankreich aufnehmen wollte. Es folgten Monate der Selbstzweifel, Produzentenwechsel aber kein Album. Use your illusion 3 & 4 erschien dann erst Anfang 2015 und enthielt nur noch einen Teil der Stücke von damals. Dafür war die Platte ein Doppelalbum geworden. Und sie war erfolgreich. Zu meiner großen Überraschung erschien dann vor wenigen Wochen auch noch Kalender, eine zweite Platte innerhalb weniger Monate. 2015 war wohl ein gutes Locas-Jahr.


Die diesjährige Gala fand im Gebäude 9 statt. Björn hatte bei einem anderen Konzert einmal gesagt, man wolle früh anfangen, damit jeder noch seine Bahn bekommen könne. Auch heute begann es früh. Ab kurz nach acht spielte der Rockaway Shanty Chor im Hof vor dem Gebäude einige Lieder über das Leben auf See. Die ersten beiden Stücke waren einmatroste Pop- bzw. Rockklassiker (Es lebe Ostfriesland, Fahrwasser zur Hölle), der Rest Lieder über den Klabautermann, eine kleine Möwe und das Lieblingsgetränk der Seefahrer. Das war sehr toll und hätte gerne länger als eine knappe Viertelstunde dauern können. 

Setlist Rockaway Shanty Chor, Wintergala, Gebäude 9:

01: Es lebe Ostfriesland (Elvis Cover)
02: Fahrwasser zur Hölle (AC/DC Cover)
03: Die kleine Möwe
04: Klabautermann
05: Rum aus Jamaica ("es trinken die Matrosen von allen Spirituosen am liebsten Rum")


Nach den Shantys wurden wir zurück in den Saal gebeten. Bevor die Band auf die Bühne kam, erschien erst einmal Benjamin Walter (Jobbeschreibung: Guidance) und klärte uns darüber auf, was die Bleistifte und Blätter mit Comiczeichnungen bedeuteten. Wir spielten Locas-Bingo. Wie im Bus auf der Rückfahrt vom Seniorenausflug, nur charmanter. Benny las Symbole vor, die mit der Band zu tun haben, wir mussten 5er Reihen bilden. Gegen CDs. Wie viel Mühe sich Locas in Love machen, dem Publikum Dinge zu bieten... wundervoll! Zwar  eigentlich nicht nötig, da so etwas ja gerne dazu dient, von musikalischen Schwächen abzulenken. Trotzdem sind es diese kleinen originellen Elemente, die die Wintergalas so besonders machen.



Das Konzert begann mit zwei Stücken von Winter (Packeis und Wintersachen). Die Locase spielten wieder mit Ur-Schlagzeuger Maurizio Arca und mit Carmen Heß von Lingby (Wald- und Flügelhorn und Keyboard).



Nach den Wintersongs kamen die ersten beiden Stücke vom (ganz) neuen Album. Ich habe das zwar, konnte es aber noch nicht hören, kannte also nur die Lieder, die Locas in Love bei den beiden King Georg Konzerten damals gespielt hatten (zum Beispiel Ich bin eine Insel oder Ich werde ein Lied für alle schreiben). Die, die mir neu waren, waren besonders überzeugend. Ultraweiß! Oh! und Ruinen



Zwischendurch erklärte Björn immer wieder Dinge, fragte, ob es uns gefalle. Es gefiel sehr. Und es war kurzweilig. Als Locas in Love nach Egal wie weit von der Bühne gingen, kam es mir vor, als seien gerade 40 min gespielt. 



Am Freitag bei EL VY hatte es ein wundervolles Cover gegeben. Brent Knopf und Matt Berninger spielten She drives me crazy von den Fine Young Cannibals. Locas in Love coverten die Christmas number one von 1994, Stay another day von East 17. Beide Stücke sind im Original gruselig. Die Neuinterpretationen dagegen waren wundervoll! Die krachigen Gitarren von Björn und Jan Niklas machten aus dem Käse ein wirklich tolles Livelied! Im Smalltalk mit dem Publikum kam Björn auf die Idee, doch mal über ein Sommeralbum nachzudenken. Ich bin sicher, auch Bailando oder der Ketchup Song werden mich auf einer Locas-Sommergala begeistern! Bis das passiert freue ich mich jetzt doch erst einmal auf den kommenden Dezember und die nächste Wintergala.

Setlist Locas in Love, Wintergala, Köln:

01: Packeis
02: Wintersachen
03: Ich werde ein Lied für alle schreiben
04: Ultraweiß
05: Zum Beispiel ein Unfall
06: Maschine
07: Roder
08: Über Nacht ist ein ganzer Wald gewachsen (das Licht am Ende des Tunnels is ein Zug)
09: Oh!
10: Monkey
11: Manifest
12: Ruinen
13: Nein
14: Leyendeckerstraße
15: Es tut mir leid
16: Egal wie weit

17: Stay another day (East 17 Cover) (Z)
18: Sachen (Z)
19: Durch die Dunkelheit (Z)
20: Auto destruct (Z)

Links:


- aus unserem Archiv:
- Locas In Love, Düsseldorf, 20.03.15
- Locas In Love, Köln, 21.02.15
- Locas In Love, Köln, 07.12.14
- Locas In Love, Köln, 07.12.14
- Locas In Love, Köln, 22.12.13
- Locas In Love, Köln, 15.08.13
- Locas In Love, Köln, 14.08.13
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
- Locas In Love, Köln, 02.10.11
- Locas In Love, Köln, 24.10.10
- Locas In Love, Köln, 30.11.08
- Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
- Locas In Love, Köln, 19.08.07


* Weihnachtspathos, yeah! 
** Winter ist offziell keines, hieß es einmal


Konzert: Torres
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 09.09.2015
Dauer: Torres 70 min, Harkin 30 min
Zuschauer: vielleicht 170



Ende Mai spielte Torres beim Primavera Festival in Barcelona eine Show, die uns so sehr beeindruckt hatte, daß wir sie am nächsten Tag gleich noch mal sehen wollten. Bei einem Festival, bei dem am Tag mehr als 70 Bands auftreten, die fast alle toll sind, kann man sich eigentlich nicht den Luxus erlauben, Künstler doppelt zu sehen. Im Fall von Torres ließ es sich aber nicht verhindern.

Beim Primavera war Mackenzie Scott solo aufgetreten und hatte ihre Stücke nur von ihrer E-Gitarre begleitet vorgetragen. Das stand zum Teil in großem Kontrast zu den Platten, war aber enorm eindrucksvoll. Die Sängerin entschuldigte sich irgenwann dafür, daß sie alleine da sei. Das nächste Mal hoffe sie, eine Band mitzubringen. Das war dann auch meine erste Nerd-Frage, als ich ins Gebäude 9 kam, "ist sie mit Band da?" Sie war.


Daß der Support ohne Band auftreten würde, wusste ich. Allerdings habe ich Katie Harkin noch nie solo gesehen. Die Britin, die Frontfrau der grandiosen Sky Larkin war (und damit auch im Gebäude 9), dann die Wild Beasts live unterstützt hat (auch im Gebäude), war zuletzt bei der kompletten Sleater-Kinney Tour als zusätzliche Gitarristin und Keyboarderin dabei. Und jetzt also solo unter ihrem Nachnamen Harkin. Wenn die Bands, über die wir hier schreiben, strenggenommen (also außerhalb der Indie-Blase) nicht eh alle unbekannt wären, wäre Katie Harkin die beste unbekannte britische Musikerin. Ich liebe die Platten, die Sky Larkin veröffentlich haben. Leider war damit offenbar keine große Karriere möglich, verdient wäre sie sicher!

Katie Harkin spielte eine halbe Stunde lang neue Lieder. Eines davon (Charme and tedium) sei erst letzte Woche entstanden. "So it's a baby!"


Als Katie ihr letztes Lied ankündigte, war ich sicher, daß sie höchstens fünfzehn Minuten gespielt habe, es war extrem kurzweilig. Obwohl da ja nur eine Frau mit E-Gitarre auf der Bühne stand. Wie schon bei Sky Larkin leben die Songs von der Mischung aus Katies wundervoller Stimme und den rohen Gitarrenklängen. Diese letzte Lied (Nothing the night can't change) war neben Bristling, das mit herrlich abgebrochenen Gitarrenklängen begann, das beste Lied des dann doch halbstündigen Sets. Hoffentlich erscheint bald etwas davon auf Platte!

Setlist Harkin, Gebäude 9, Köln:

01: Carve it out
02: National anthem of nowhere (Apostle Of Hustle Cover)
03: Charme and tedium
04: Decade
05: Bristling
06: Dial it in
07: Nothing the night can't change


Als Mackenzie und ihre Band auf die Bühne kamen, war es düster. Die Sängerin hatte eine brennende Kippe in der Hand und schwenkte die andächtig ins Publikum. Mir machte des ein wenig angst, es sah aus, als käme jetzt eine große Inszenierung. Groß ja, gekünstelter Quatsch nein. Torres beschränkten sich auf die Musik. Daß das vollkommen ausreicht, wusste ich ja.

Beim ersten Lied (Mother Earth, father God) war ich noch nicht davon überzeugt, daß die Bandversion mir genauso gut gefallen könnte wie Mackenzie alleine. Bei New skin danach war es genau umgekehrt. Die Instrumentierung mit zweiter Gitarre, Schlagzeug und Keyboard war atemberaubend schön! Manchmal (später) schrammte sie einige Male an der Grenze zum Bombast, bei Strange hellos fehlte nicht viel und es wäre fies rockig geworden, das Scorpions-Land winkte schon rüber. Die Instrumentierung blieb aber immer auf der geschmackvollen Seite. Und dann wieder kamen Stücke, die mit den zusätzlichen Musikern noch einmal massiv aufblühten. Das akustisch auch schon tolle A proper Polish welcome (ich weiß immer noch nicht, was das ist) war phänomenal, Sprinter mit Zweitstimme von Keyboarderin Erin (?) nicht weniger gut. 


Es war ein großartiges Konzert - ganz anders als die beiden im Mai - aber gleich gut. Nur manchmal gab es kleine Solo-Momente. Bei der Zugabe November baby begann die Sängerin alleine, von ihren Begleitern beobachtet. Erst ganz am Ende setzten die anderen drei Instrumente ein.Was nun besser ist? Keine Ahnung. Jedenfalls war das hier hervorragend!

Setlist Torres, Gebäude 9, Köln:

01: Mother Earth, father God
02: New skin
02: Cowboy guilt
04: Sprinter
05: A proper Polish welcome
06: Son, you are no island
07: Strange hellos
08: Honey
09: The harshest light 

10: November baby (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Torres, Barcelona, 30. & 31.05.15
- Sky Larkin, Köln, 17.11.10
- Sky Larkin, Köln, 25.02.09
- Sky Larkin, Paris, 23.02.09
- Sky Larkin, Amsterdam, 22.02.09
- Sky Larkin, Paris, 18.12.08
- Sky Larkin, Köln, 10.11.08
- Sky Larkin, Brüssel, 09.11.08
- Sky Larkin, Köln, 11.09.08


Konzert: I Am Kloot
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 16.05.2015
Dauer: I Am Kloot knapp 100 min, Sarah & Julian 30 min
Zuschauer:  ausverkauft




Diese Tagebuchschreiberei scheint nicht viel zu nutzen. Bei jedem I Am Kloot Konzert bin ich aufs Neue überrascht, daß der Laden voll ist. Dabei war es beim letzten Mal doch genauso. Kann man alles nachlesen.

Mein letztes I Am Kloot Konzert fand 2010 beim wundervollen Phono Pop Festival in Rüsselsheim statt (unbedingter Tipp - dieses Jahr am 10, und 11. Juli!). Seitdem habe ich die Band aus Manchester wieder einmal aus dem Auge verloren. Natürlich habe ich trotzdem keine Sekunde gezögert, ein Ticket für eines der drei Deutschland-Konzerte zu kaufen. Bisher hatte ich I Am Kloot in Köln zweimal im Luxor gesehen (und einmal beim Fest van Cleef in Odonien), diesmal waren sie im tollen Gebäude 9



Als wir reinkamen, war für eine Vorgruppe aufgebaut. Auf der Stoffverkleidung des Keyboards las ich "Sarah & Julia". Statt zweier junger Frauen kam um halb neun aber ein ergrauter, vollbärtiger Mann auf die Bühne - John Bramwell. Er kündigte den Support seiner Deutschland-Tour an, eine sehr tolle Geste! Ich verstand "Sarah & Julie". Da war wohl beim Ausdruck der Klavier-Beschriftung irgendwas schief gelaufen. Es kamen dann auch nicht zwei sondern drei Musiker auf die Bühne, die sich als Sarah & Julian und Schlagzeuger Nils (glaube ich) herausstellten. Sarah und Julian sind Geschwister und stammen ursprünglich aus Aschaffenburg. Nicht aus Reading. Hätte Julian keine Ansagen gemacht, ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, eine deutsche Band vor mir zu haben. 



Es fing beim ersten Lied White lips sehr ruhig an. Sarah spielte Piano, Julian akustische Gitarre. Dazu sangen beiden gemeinsam. Das klingt zunächst wenig spektakulär, war aber wunderschön. Später setzte dann ein erstaunlich dynamisches Schlagzeug ein, das perfekt passte. Vor dem zweiten Lied (Birds of a feather) gab es Probleme mit dem (geliehenen) Keyboard, die Julian gelassen mit "das gehört zum Programm" kommentierte. Ich hatte noch nie von der Band gehört und erst vorhin gelesen, daß die Geschwister u.a. 2014 beim Heimspiel von Gisbert zu Knyphausen aufgetreten sind. Der Auftritt von Sarah and Julian (und Nils) wirkte nicht nur musikalisch souverän.



Im vierten Lied Mayflies gab es eine lustige Klatsch-Choreographie der drei Musiker, dabei schlugen sie die Hände erst zusammen und dann auf die Brust und sangen dazu irgendwas mit vielen s-Lauten ("ssss sch sch sch" - für Rheinländer nicht mitsingbar), es war toll! Yesterday I thought danach sangen Julian und Sarah gemeinsam am Klavier. Das Programm war beeindruckend und sehr abwechslungsreich. Grob erinnerte mich der Auftritt immer mal wieder an die tollen Rue Royale.

Daß John Bramwell seine Vorgruppe vorgestellt hat, machte nach dem halbstündigen Auftritt sehr viel Sinn und war sicher nicht nur Zeichen britischer Höflichkeit!

Setlist Sarah & Julian, Gebäude 9, Köln:

01: White lips
02: Birds of a feather
03: Like a letter
04: Mayflies
05: Yesterday I thought
06: Monster
07: Slow 


Daß I Am Kloot auch zu dritt auftreten würden, hatte ich auf Fotos vom Berlin-Konzert gesehen. Beim Phono Pop hatte ich sie in der gleichen Konstellation (Gitarre, Bass, Schlagzeug) gesehen, davor zweimal in größerer Besetzung mit Steel Guitar. Ich hatte heute also eine etwas ruhigere I Am Kloot Version erwartet. Schon die paar Mikro-Tests beim Umbau zeigten, daß das Unsinn war. Bei den ersten Liedern spielte John eine E-Gitarre. Es war ordentlich laut! Erst später (beim vierten Stück?) wechselte er zur akustischen Gitarre und legte die nicht mehr weg. Dies ist musikalisch (aus Amateursicht) nicht weiter wichtig, es blieb auch mit dem leiseren Instrument laut, wenn man weiß, wie John die Akustikgitarre spielt, wird es aber relevant. Er hat keinen Gurt am Instrument, muß es also auf den Oberschenkel legen und den dafür anwinkeln. Er löste das mit einer leeren Bierkiste, auf der sein rechtes Bein mindestens 70 Minuten stand. Aber vermutlich sind Gitarrengurte unbequem.


I Am Kloot haben 2013 ihr letztes richtiges Album veröffentlicht. "Richtig", weil danach zwar ein Soundtrack erschien, auf dem neben Instrumentalstücken aber nur drei alte Lieder wiederveröffentlicht wurden. Daß ich die Nordengländer seit Jahren dooferweise mißachtet habe, war für das Konzert nicht weiter schlimm. Ich kannte fast alles. Denn das letzte Album Let it all in (das ich nicht habe) ignorierte auch die Band weitestgehend, warum auch immer (und bei der Ausnahme Masquerade versauten sie das Ende. "Sehr clever, den letzten Refrain wegzulassen!"). Es ist wohl eher die Tour zur gerade veröffentlichten Live-Platte Hold back the night.

Also ein Best of. Und wenn man I Am Kloot gut anderthalb Stunden zuhört, merkt man, wie viele Hits in so einem 26-Lieder-Programm stecken. Ferris wheel, Someone like you, From your favourite sky, To you, Storm warning, To the brink (mit dem John 2009 beim Perfekten Dinner einen Gastauftritt hatte). Wow. 


Daß ich beim Konzert nicht richtig aufmerksam war, lag dann wegen der vielen Knüller auch nicht an Langeweile (es ist fast immer so, daß nach 40 min die Gespräche lauter werden, längere Aufmerksamkeitsdauer geht wohl nicht mehr). Mich haben die beiden Kollegen von John zu sehr abgelenkt. Peter Jobson war schon sehr sehenswert und enorm beweglich für einen Bassisten, ganz besonders beeindruckend war allerdings Schlagzeuger Andy Hargreaves. Ich habe zu wenig Ahnung von Musik, bin aber nicht sicher, ob ich schon viele bessere Drummer gesehen habe. 


Zwischendurch gab es einen kleinen Vorgeschmack auf den Sommer. Im Juli spielt John Bramwell wieder beim Phono Pop Festival, diesmal aber alleine. Im Gebäude 9 schickte er seine beiden Kollegen in eine kurze Raucherpause und spielte I still do und At the sea solo. 

Bis zum Sommer werde ich noch wissen, wie gut der Konzertabend war, keine Frage!

Setlist I Am Kloot, Gebäude 9, Köln: 

01: One man brawl
02: Cuckoo
03: Life in a day
04: This house is haunted
05: Gods and monsters
06: Same deep water as you
07: Dead mens cigarettes
08: Someone like you
09: Masquerade
10: I still do (John Bramwell solo)
11: At the sea (John Bramwell solo)
12: Fingerprints
13: Over my shoulder
14: To the brink
15: Storm warning
16: Here for the world
17: Strange arrangement of colours
18: Ferris wheels
19: Because
20: Darkstar
21: Strange without you
22: To you
23: Northern skies
24: From your favourite sky

25: Twist (Z)
26: Proof (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
-
I Am Kloot, Paris, 23.03.13
- I Am Kloot, Dresden, 15.03.13
- I Am Kloot, Rüsselsheim, 10.07.10
- I Am Kloot, Köln, 28.03.10
- I Am Kloot, Köln, 24.10.08
- I Am Kloot, Köln, 26.07.08
- I Am Kloot, Paris, 27.03.08


Konzert: The New Pornographers
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 05.12.2014
Dauer: The New Pornographers 80 min, Mini Mansions gut 45 min
Zuschauer: ca. 300



Auf Autofahrten höre ich meist Musik mit meinem alten iPod. Weil nicht nur dessen Batterie sondern auch die Software oft spinnt, stürzt das Gerät immer wieder ab. Nach dem Reset dauert es ein paar Minuten, bis er wieder da ist. Musikalisch ist der Neubeginn immer gleich: I'm not talking von A.C. Newman. Vermutlich wäre das Stück mein meistgehörtes, wenn wenigstens das Weiterleiten an last.fm klappen würde.


Auch ein anderes meiner besonders häufig in diesem Jahr gehörten Stücke hat mit dem kanadischen Musiker zu tun. War on the east coast von den New Pornographers, die Newman vor einigen Jahren mitbegründet hat, ist eines der besten Lieder 2015 (auch wenn das Jahr ja lange noch nicht vorbei ist). Geschrieben hat es allerdings nicht A.C. Newman, War on the east coast stammt von Dan Bejar (Destroyer), einem der anderen zahlreichen (Indie-) (Super-) Stars bei den New Pornographers. Das neben Destroyer vermutlich berühmteste Mitglied ist Neko Case, die auf Platten und dem nordamerikanischen Kontinent regelmäßig mitsingt, Europa-Touren der New Pronographers aber meidet. An ihrer Stelle übernimmt Carl Newmans Nichte Kathryn Calder (Immaculate Machine) alle weiblichen Gesangparts. 


"Wer und wie viele?" ist also immer die typische Frage vor einem Auftritt der Kanadier. Beim ersten Konzert der New Pornos im Gebäude 9 seit 2007* standen sieben Musiker auf der Bühne. Kathryn Calder, Dan Bejar und Carl Newman, Bassist John Collins (der u.a. mehrere Tegan and Sara Platten produziert hat und bei Destroyer mitspielt), ein Schlagzeuger, ein Keyboarder und ein weiterer (vierter? fünfter?) Gitarrist. 


Als die sieben um 21:40 Uhr begannen, hatten wir schon ein gut 45 minütiges Support-Programm der Band Mini Mansions aus Los Angeles erduldet. Mini Mansions fielen durch drei Dinge auf: 1) Kreuzfahrt-Entertainer-Outfits (der singende Schlagzeuger trug einen weißen Anzug, der Bassist einen roten - 2) eine unverschämt scheußliche Version des Blondie Evergreens Heart of glass und - 3) eine bescheidene, mannhohe Leuchtreklame mit dem Bandnamen, bei der ich mich gefragt habe, was die Fluggesellschaft wohl dafür verlangt hat, das Ding einmal um den Globus zu verschiffen. 

Musikalisch war es enorm beliebig bzw. bis auf ein Lied sogar ziemlich mies. Daß der trommelnde Sänger normalerweise der Bassist der Queens Of The Stone Age ist, änderte daran nichts. 


An Stelle der Deko setzte die Hauptgruppe dann Hits, das klügere Konzept, wie ich finde. Die Setlist des fast anderthalbstündigen Konzerts war eine souveräne Mischung einiger neuer Stücke und der Hits aller Vorgängerplatten. So macht man das eben in einer Supergroup.

Dan Bejar war höchstens bei jedem zweiten Lied auf der Bühne. Hatte er nichts zu tun, ging er nach hinten und rauchte. Es roch in jeder Destroyer-Pause nach Qualm.



Live sind die New Pornographers sehr viel rockiger als auf Platte. Erst wollte ich "lauter" schreiben, das machte aber keinen rechten Sinn. Also war auch im Gebäude 9 nichts vom "Hausfrauen-Rock" zu hören, als den mein Konzertnachbar die Musik der Band vorher bezeichnet hatte. Auch die etwas schwächeren Stücke der neuen Platte gefielen mir so deutlich besser als aus dem neurotischen iPod. 



Es war ein wirklich gutes Konzert. Beim Basket- und Football benutzen amerikanische Sportreporter gerne den Begriff Go-to-guy für einen Spieler, der immer als sichere Anspielstation des Quarterbacks oder Aufbauspielers erreichbar ist, den der also auch in großer Bedrängnis immer erreicht. Das sieht dann nicht so spektakulär aus wie ein 60 m Pass, bringt aber sicheren Erfolg. Die New Pornographers sind eine meiner Go-to-Bands. Man darf da keine Bühnenshow (oder Leuchtreklame) und kein Publikum, das nur beim neuesten heißen Scheiß erscheint, erwarten, man bekommt aber sicher ein sehr gutes Konzert geboten!

Setlist The New Pornographers, Gebäude 9, Köln:

01: Brill bruisers
02: Myriad harbour
03: Moves
04: Dancehall domine
05: War on the east coast
06: Use it
07: All the old showstoppers
08: Jackie, dressed in cobras 
09: Another drug deal of the heart
10: The laws have changed
11: Fantasy fools
12: Testament to youth in verse
13: Sweet talk, sweet talk
14: Backstairs
15: Silver Jenny Dollar
16: Champions of red wine
17: Born with a sound
18: Mass romantic

19: Ballad of a comeback kid (Z)
20: Sing me Spanish techno (Z)
21: The bleeding heart show (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The New Pornographers, Barcelona, 28.05.10
- The New Pornographers, Köln, 25.11.07
- The New Pornographers, Paris, 30.09.07


Konzert: Esben and the Witch (& coctail twins)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 19.10.2014
Dauer: Esben and the Witch 65 min, coctail twins 33 min
Zuschauer: 140



Vor anderthalb Jahren spielten Esben and the Witch zum letzten Mal im Gebäude 9. Einige Freunde von mir waren da und schwärmten hinterher vom düsteren Auftritt der Briten. Ich hatte die Band zwar 2011 schon einmal im Gebäude gesehen, da hatten sie mich aber noch nicht richtig überzeugt. Trotzdem hatte mir mein Bauchgefühl im vergangenen Winter gesagt, ich solle gefälligst zu Esben and the Witch gehen, dummerweise hatte ich dies aber ignoriert und mich stattdessen für alt-j im E-Werk entschieden. Spätestens als ich im Mai 2013 Esben and the Witch in Luxemburg gesehen habe, war mir dieser Fehler bewußt.


Also war das Ticket für dieses Mal schnell gekauft. Daß dies eine gute Entscheidung war, war nicht erst am Abend selbst klar. Denn einige Tage vorher wurden die wundervollen coctail twins aus Köln als Support bekanntgegeben, ein "Doublefeature" nach meinem Geschmack!


Die coctail twins sind eine neue Band von Leuten mit Musik-Erfahrung. Daß es durchaus sinnvoll sein kann, nicht schon als Teenager seine Band zu gründen, zeigen die ausgefeilten Songs der Kölner. Sometimes the waves oder Rooms made of dust oder auch Waiting for the birds (Dreamed) sind große Knüller, die mich bei meinen beiden ersten Konzerten der coctail twins in diesem Jahr schon begeistert hatten. Aber eben auch das (offenbar neue) Stück Western horizon, bei dem Bassist Mike auf einer Pauke trommelte, war irre gut. Ich vermute, daß es auf der am 21.11. erscheinenden zweiten EP (Below Zero) veröffentlicht werden wird. Also auch der Nachschub taugt enorm viel! Als Außenstehender kann man ja nie einschätzen, wie lange die ersten Songs einer neuen Band gereift sind. Die echte Hürde sind dann die Stücke, die danach erscheinen. Wenn die das Niveau halten, ist die Gruppe gut. Western horizon war ein so großer Hit, daß es keine besonders verwegene Vorhersage ist, daß die neue EP toll wird!


Meine beiden ersten coctail twins Konzerte fanden im Tsunami (erstes Konzert überhaupt) und im Rahmen der c/o pop in einem Sneakerladen statt. Ich hatte beide Male nichts von der Band gesehen und auch eingeschränkten Sound. Diesmal war es hervorragend. Den coctail twins stand die große Bühne im Gebäude 9 ausgezeichnet, den Liedern tat der aber vor allem der gute Sound gut.


Ein sehr klug gewählter Support für Esben and the Witch, den ich mir aber auch mit einer miesen Hauptgruppe begeistert angesehen hätte!

Setlist coctail twins, Gebäude 9, Köln:

01: Big nothing
02: Perfume well
03: Sometimes the waves
04: Waiting for the birds (Dreamed)
05: Rooms made of dust
06: Western horizon
07: Ice machine


Esben and the Witch haben im September ihr drittes Album (A new nature) veröffentlicht, das in Zusammenarbeit mit Steve Albini entstanden ist. Mir fiel beim ersten (von wenigen)* Hören auf, daß die Platte noch um einiges düsterer klingt als die Vorgänger. Zehn, vierzehn Minuten lange Lieder mit krachenden Gitarren-Parts. Ob das Albinis Handschrift ist, kann ich nicht beurteilen, es entfernt die Band aber von jeder Gefahr, sich dem Indie-Mainstream anzubiedern.


Nach dreißig Minuten Konzert hatte das Trio vier Lieder des neuen Albums gespielt. Eine Viertelstunde später, mit The jungle einen fünften Titel von A new nature. Danach verließen die drei Musiker aus Brighton die Bühne, um ein paar Augenblicke später wiederzukommen und "some old songs now" anzukündigen. Der Stil änderte sich, die Düsterkeit blieb. 

Diese kurze best-of in den Zugaben war brillant. Ich habe auch die alten Platten der Band zu lange nicht gehört. Es stellt sich dann bei mir immer dieses "das gibt's ja auch noch" Gefühl ein. 

Das Konzert war kurz aber hervorragend! Die Düsternis, die langen krachenden Instrumentalpassagen des ersten Konzertteils, bei dem ich das Gefühl hatte, die Band spielte die fünf Lieder am liebsten am Stück ohne Pausen (wie sie es mit Dig your fingers in und No dog taten). Es war - Journalistenfloskel - ungemein intensiv und packend. Die Zugaben erledigten den Rest. 

Setlist Esben and the Witch, Gebäude 9, Köln:

01: Press heavenwards
02: Dig your fingers in
03: No dog
04: Blood teachings
05: The jungle

06: Marching song (Z)
07: The fall of Glorieta Mountain (Z)
08: Smashed to pieces in the still of the night (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Esben & The Witch, Esch-sur-Alzette, 08.05.13
- Esben & The Witch, Lörrach, 02.03.13
- Esben & The Witch, Paris, 21.02.11
- Esben & The Witch, Köln, 13.02.11
- coctail twins, Köln, 23.08.14
- coctail twins, Köln, 23.03.14


* in den letzten Wochen höre ich abwechslend die Vaselines und Allo Darlin', andere haben es dagegen extrem schwer.


Konzert: Dean Wareham
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 29.07.2014
Dauer: 85 min
Zuschauer: 50 bis 60




Galaxie 500 waren oft live alles andere als gut, sagt Dean Wareham über seine erste bekannte Band. Luna seien eine viel bessere Liveband gewesen, egal, was man von den jeweiligen Alben gehalten habe. Ich habe Galaxie 500 1990 auf der Loreley beim Bizarrefestival gesehen und war vorher massiver Fan und war es auch danach. Wie genau das Konzert war, weiß ich nicht mehr, es kann aber nicht so schlecht gewesen sein. Luna hatte ich nie live gesehen, auch nicht das einzige Konzert im Gebäude 9 2002. Meine nächste Begegnung mit Dean Wareham war erst 2010 beim zweiten ATP Bowlie. Belle & Sebastian waren für das Line-Up verantwortlich und luden den Sänger ein, der damals als "Dean Wareham plays Galaxie 500" unterwegs war. Die Belle & Sebastian Mitglieder hatten je drei Wunschbands nennen dürfen, Dean Wareham war Stuart Murdochs erste Wahl.


Meine erste Begegnung mit meinen Lieblingsliedern nach zwanzig Jahren war wundervoll! Flowers, Strange, Tugboat, Snowstorm, Don't let our youth go to waste... atemberaubend gut gespielt. Mir fiel erst gegen Ende des Konzertes auf, daß Deans Frau Britta die Bassistin der Band war (als die beiden ein Dean & Britta Stück spielten). Ich hatte nur Augen (nunja) für die Musik. Dean Wareham mit Galaxie 500 ist live sehr viel besser, als seine alte Band es offenbar war. Vermutlich harmonierten die drei Freunde auf der Bühne ähnlich schlecht wie bei strittigen Entscheidungen in der Spätphase ihrer kurzen Karriere. 

Nach der guten und abwechslungsreichen Vorgruppe Die Sonne aus Köln, über die ich in Kürze noch einmal ausgiebiger schreibe (und die feststellte, daß bei es bei ihren Auftritten immer regne, offenbar der Bandname schon die Sonne kompensiere - ich denke eher, daß das schlechte Wetter an den Mitgliedern der Sonne, die früher bei Wolke waren, liegt, war das Gebäude 9 noch erschütternd leer. Es ist Urlaubszeit in NRW, es hagelte den ganzen Tag Unwetterwarnungen - aber es war ein Dean Wareham Konzert! Davon gibt es leider nicht viele - und auch künftig nicht mehr, wenn die Leute aus Trägheit zu Hause bleiben. Die 50, 60, die da waren, erlebten ein Konzert, bei dem ich an Anfang kurz den Eindruck hatte, daß die Band zu deutlich gesehen hatte, wie wenige Zuschauer da waren, das sich aber nach und nach massiv steigerte und am Ende umwerfend war. 


Dean Wareham ist zur Zeit mit einem Gitarristen (Raymond Richards), einem Schlagzeuger, dessen Namen ich wieder nicht mitbekommen habe, und seiner Frau Britta unterwegs. Am Anfang wirkten die Musiker auf mich eine Spur lustlos. Beim ersten Galaxie 500 Stück (Temperature's rising von der ersten Platte), schleppte sich das Schlagzeug träge durch den Song. Bei Holding pattern, einem der zahlreichen Solostücke - beim Indietracks in Ripley hatte das Set am Samstag noch zumeist aus Galaxie 500 Titeln bestanden - sang Dean anfangs stark neben dem Takt, was seine Frau am Keyboard zum Lachen brachte. Irgendwann am Anfang nuschelte der Sänger "this was more" oder "this was no fun". Ich hatte da nicht den Eindruck, ein ähnlich gutes Konzert wie vor drei Tagen sehen zu können. Aber wer kann ihnen das verdenken, wenn ein Konzert so schlecht angenommen wird. 



Gottseidank kippte es aber sehr schnell in die andere Richtung, nach Holding pattern wurde es immer besser. Das kleine Publikum klatschte wie ein ausgewachsenes. Man merke insbesondere bei den Galaxie 500 Liedern, wie wenig Laufkundschaft da war, und das schien auch auf der Bühne anzukommen. Wie bei meinem Konzert im Dezember letzten Jahres spielte die Band (damals eine andere) auch Luna-Lieder. Das erste diesmal war Tiger Lily von der zweiten Platte Bewitched - toll! Später kam noch Lost in space. Der Großteil der Songs stammte aber von Deans Soloplatten (EP und Album). Komischerweise gefiel mir von den Liedern Love is not a roof against the rain plötzlich außerordentlich gut. Bisher zählte es (auf Platte) nicht zu meinen Lieblingen und konnte nicht gegen Stücke wie The dancer disappears, Holding pattern, Beat the devil, My eyes are blue oder Love is colder than death anstinken. Diese Liveversion wurde aber plötzlich enorm schmissig und gefiel mir richtig gut. 


Nach Love is not a roof against the rain wurde es plötzlich lauter. When will you come home hatte ein herrlich krachiges Ende, bei den Zugaben drehte der Mischpultmann noch einmal hoch, hatte ich den Eindruck. Wenn wir schon für zwei klatschten, konnten wir auch für zwei um die Ohren bekommen. Letztenendes war es egal, welches Lied die Band im zweiten Teil anstimmte, alles war hervorragend, auch Babes in the wood, das vorletzte Stück der Soloplatte - und vorletzte Lieder sind, wie ich in Deans extrem empfehlenswerter Biographie Black postcards gelernt habe, meist die schlechtesten Lieder eines Albums. Blue thunder und Tugboat waren aber natürlich die größten Knüller vor den Zugaben!

Die Zugaben begannen mit Happy & free von der Soloplatte. Danach wechselte Britta wieder einmal die Position, sie spielte abwechselnd Bass und Keyboard und musste bei jedem Wechsel die Bühne überqueren, vergaß dabei grundsätzlich immer ihr Kölsch und musste noch einmal zurück. 

Ich war sicher, daß nach Fourth of July Schluß sein würde. Es kam aber ein noch würdigerer Abschluß, das wundervolle Joy Division bzw. New Order Cover Ceremony.  

Es war ein großartiges Konzert! Sind Lieblingsbands heutzutage live schlecht, vergeht mir leicht die Lust an ihnen. Die Gefahr besteht bei Dean Wareham nun wirklich nicht!

Setlist Dean Wareham, Gebäude 9, Köln:

01: Emanzipated hearts
02: Heartless people (Michael Holland Cover)
03: Temperature's rising (Galaxie 500)
04: The dancer disappears
05: Holding pattern
06: Tiger Lily (Luna)
07: Air
08: Love is not a roof against the rain
09: When will you come home (Galaxie 500)
10: Babes in the wood
11: Blue thunder (Galaxie 500)
12: Lost in space (Luna)
13: Tugboat (Galaxie 500)

14: Happy & free (Z)
15: Fourth of July (Galaxie 500) (Z)
16: Ceremony (Galaxie 500 / Joy Division bzw. New Order Cover) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Dean Wareham, Indietracks, 26.07.14
- Dean Wareham, Paris, 07.12.13
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Barcelona, 28.05.11
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Paris, 19.02.11
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Minehead, 11.12.10

Tourtermine:

30.07.: Privatclub, Berlin 
31.07.: Off Festival, Katowice 
02.08.: Lokalhelden, Augsburg 
06.08.: Club Barby, Tel Aviv ABGESAGT